Gesunde und zufriedene Mitarbeiter sind eine zentrale Voraussetzung für den Erfolg von Unternehmen. Betriebliche Gesundheitsförderung umfasst dementsprechend alle Maßnahmen zur Verbesserung von Gesundheit und Zufriedenheit am Arbeitsplatz. Ein zentraler Aspekt ist hierbei die Einbeziehung der Mitarbeiter in die Planung und Gestaltung der Maßnahmen. Basis betrieblicher Gesundheitsförderung sind daher in der Regel Mitarbeiterbefragungen zu gesundheitlichen Problemen. Basierend auf den Ergebnissen solcher Befragungen erfolgt die daran angepasste Einführung der betrieblichen Gesundheitsförderung.
Die Programme zielen auf besondere Belastungen bei bestimmten Berufsgruppen, Verbesserungen von Arbeitsstrukturen und –abläufen und häufig auch auf Änderungen in gesundheitsrelevanten Verhaltensweisen außerhalb des betrieblichen Umfelds. Umfassendere Programme im Rahmen eines betrieblichen Gesundheitsmanagements, etwa zur Förderung der Mitarbeiter-Zufriedenheit oder der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie, gehen über die spezifisch gesundheitsbezogenen Themen hinaus und reichen bis in die Unternehmenskultur und –strategie.
Anbieter von Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung sind einzelne Unternehmen, Krankenkassen, Industrie- und Handelskammern, oder auf betriebliche Gesundheitsförderung spezialisierte Anbieter. Aus der Vielzahl der Angebote zur betrieblichen Gesundheitsförderung, werden im folgenden einige exemplarische und/oder innovative Beispiele vorgestellt.
Die Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) bieten ein umfangreiches Programm zur Gesundheitsförderung an. Hierzu zählen persönliche Gesundheitsberatungen, be-triebliche Informationsveranstaltungen, Workshops (z.B. Raucherentwöhnungen, „Gesundheitstage“) und eine Reihe weiterer Maßnahmen, insbesondere zu den Themen Sucht und körperliche Aktivität: So gibt es eine Betriebssportgemeinschaft mit zahlreichen Angeboten von Aerobic über Fußball und Kraftsport bis zu Wandern und Yoga. Als erstes Berliner Unternehmen hat die BSR ein Bonusprogramm zur betrieblichen Gesundheitsförderung (mit den Betriebskrankenkassen CITY und VBU) vereinbart. Damit soll ein gesundheitsbewusster Lebensstil der Mitarbeiter auch über finanzielle Anreize gefördert werden.
Die Charité Berlin startet 2007/2008 ein umfassendes Projekt zur betrieblichen Gesundheitsförderung. Durch Primärprävention sollen Belastungen gesenkt und Gesundheitsressourcen gestärkt werden. Basis der Maßnahmen war eine Befragung der Mitarbeiter, und daraus abgeleitete Handlungsfelder. Das Angebot zur Gesundheitsförderung wird zum einen klassische Maßnahmen wie Ernährungs-, Entspannungs-, Bewegungskurse, oder Suchtprophylaxe enthalten. Darüber hinaus werden Seminare für Führungskräfte, Optimierung der Arbeitszeit- und Organisation, Prozessbegleitung, sowie Coachings angeboten und somit ein umfassendes Gesundheitsmanagement an der Charité eingeführt.
Die Contag GmbH ist in dem Wettbewerb „Potential Mitarbeiter“ für ihr Gesundheitsmanagement ausgezeichnet worden. Das Unternehmen hat einen Bereich Betriebssport, eine firmeneigene Beachvolleyball- Anlage, Tischtennisplatte und Fitnessraum, und bietet Mitarbeitern kostenfreie Massagen. Neben diesen spezifischen Angeboten zur Gesundheitsförderung gibt es umfassendere Maßnahmen wie Programme zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, flexible Arbeitszeitmodelle, Sonderurlaub, oder auch Eltern-Kind-Arbeitszimmer.
Die betriebliche Gesundheitsförderung hat bei der Deutschen Bahn eine lange Tradition und die DB verfügt über ein sehr umfangreiches Programm entsprechender Maßnahmen. Dieses reicht von arbeitsplatzbezogenen Angeboten für bestimmte Berufsgruppen bis zu allgemeinen Angeboten mit den zentralen Themenbereichen Sucht, Ernährung, Bewegung und Stress. Die Gesundheit der Mitarbeiter soll durch verschiedene Methoden gefördert werden: Informations- und Aufklärungskampagnen, Gesundheitskurse zu verschiedenen relevanten Themen, individuelle und betriebliche Maßnahmen. Beispiele für Angebote zur betrieblichen Gesundheitsförderung bei der DB sind:
Im Rahmen der berufsgruppenspezifischen Kurse werden Kurse auf bestimmte Berufsgruppen zugeschnitten (z.B. Triebfahrzeugführer, Zugbegleiter, Reisezentren). Die Kurse gliedern sich nach Themenschwerpunkten (z.B. Rücken fit, Nordic Walking). Einige Kurse finden direkt am Arbeitsplatz statt, um effektiv Gesundheitsbelastungen entgegenwirken zu können.
Neben den Standardangeboten zur Gesundheitsförderung unterstützt die DB auch Modellprojekte. Das Projekt „Maßgeschneiderte Gesundheitsförderung“ versucht Erkenntnisse der Motivationsforschung in die betriebliche Gesundheitsförderung zu integrieren. Dabei wird die individuelle Bereitschaft zu gesundheitsbewusstem Verhalten erfasst und darauf basierend ein auf den jeweiligen Mitarbeiter zugeschnittener Plan zur Verhaltensänderung entworfen.
Eine gesunde Ernährung wird auf betrieblicher Ebene durch die Kampagne „Casino vital - Leitsystem für eine gesunde Ernährung“ gefördert: In der Gastronomie der DB wird durch ein Farbsystem auf die Erfüllung bestimmter Kriterien einer gesunden Ernährung hingewiesen (z.B. schonende Zubereitungsart, Vitamingehalt).
Seit 2005 baut die Freie Universität Berlin basierend auf bestehenden Angeboten zur Gesundheitsförderung sukzessive ein umfassendes betriebliches Gesundheitsmanagement auf. Die konkreten Maßnahmen werden auf Grundlage von Mitarbeiterbefragungen, Gesundheitsberichten (aus Daten der Krankenkassen) und einem Fehlzeitenmanagement entwickelt. Informationen zu gesundheitsrelevanten Themen werden unter anderem durch ein Intranet-Angebot, Rundschreiben und Veranstaltungen vermittelt. Daneben werden Seminare und Workshops zu Themen wie Sucht, Bewegung, Stress angeboten. Die internen Weiterbildungen zur Gesundheitsförderung werden kontinuierlich ausgebaut. Ergänzt werden diese spezifisch gesundheitsbezogenen Maßnahmen unter anderem durch Angebote zu Teambildung, Mitarbeiterführung, oder den gesundheitsfördernden Umbau bestehender Arbeitsprozesse.
Dieses Projekt wird in Kooperation mit der AOK – Die Gesundheitskasse und verschiedenen Verbänden für unterschiedliche Branchen durchgeführt. Es wird ein Selbstcheckinstrument in Form einer CD zur Verfügung gestellt. Basierend auf einer Mitarbeiterbefragung – per Fragebogen oder am Computer - wird ein spezifisches Profil positiver und negativer gesundheitsrelevanter Faktoren erstellt. Durch einen Branchenvergleich lassen sich mögliche Ziel- und Handlungsfelder für betriebliche Maßnahmen zur Gesundheitsförderung identifizieren.
Dieses durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Forschungsprojekt versucht kleine und mittlere Unternehmen der Kreativbranchen in Berlin-Südost, die einen Bedarf an Gesundheitsförderung haben, mit Anbietern von Gesundheitsdienstleistungen zusammenzubringen. Gemeinsam sollen innovative, kundenspezifische Angebote entwickelt werden, die von den Mitarbeiter/innen in den Arbeits-alltag integriert werden können.
Die Stadtverwaltung der Landeshauptstadt Potsdam baut derzeit ein umfassendes Angebot betrieblicher Gesundheitsförderung auf. Auf Grundlage einer MitarbeiterInnen-Befragung zu gesundheitsrelevanten Themen wie „Arbeitsbedingungen“, „Arbeitsalltag“, „Arbeitsklima“, „Führungskultur“ und „Gesundheitliche Beschwerdebilder“ wurden im Ergebnis verschiedene Handlungsfelder definiert. Dazu zählen Informationsangebote, etwa in Form von Vorträgen oder des Intranet-Portals „Gesunde Verwaltung“. Das Intranet-Portal soll künftig ein zentraler Baustein der Information zu aktuellen Präventionsprogrammen oder Gesundheitsinitiativen sein. Darüber hinaus wird ab Herbst 2008 ein betriebsinternes Kursprogramm in Kooperation mit den Krankenkassen eingeführt. Weitere Maßnahmen im Sinne eines umfassenden Gesundheitsmanagements sind geplant, insbesondere zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Auch in Zukunft sollen die MitarbeiterInnen durch regelmäßige Befragungen in die Gestaltung der betrieblichen Gesundheitsförderung einbezogen werden.
Bei Vattenfall Europe sind der Erhalt und die aktive Förderung der Gesundheit jedes Mitarbeiters ein zentrales unternehmerisches Ziel. Eine Strategie für ein konzernweites Gesundheitsmanagementsystem, in dem das Betriebliche Gesundheitsmanagement als Führungsaufgabe und als Managementinstrument mit einem Rahmen und Strukturen für die Umsetzung gesundheitsförderlicher Arbeitsplätze und -bedingungen verstanden wird, wird derzeit umgesetzt. Bisherige verhaltens- und verhältnispräventive Maßnahmen, z. B. Rückenschulkurse oder Gesundheitstage, sowie Maßnahmen zur Förderung der Work-Life-Balance der Belegschaft werden integriert und ausgebaut. Des Weiteren wird in der jährlichen Mitarbeiterbefragung das gesundheitliche Wohlbefinden der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einem Gesundheitsindex abgefragt, um Gesundheitsförderungsmaßnahmen zielgerichtet durchführen und bewerten zu können.
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